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Unerfüllter Kinderwunsch: Ohne Stammzellen kein Nachwuchs

Viele Paare wünschen sich nichts sehnlicher als ein Kind, aber es will einfach nicht klappen. Unerfüllter Kinderwunsch ist ein Problem mit vielfältigen Ursachen. Bei einigen Paaren klappt es manchmal doch noch. Natürlich ist die Freude riesig. Verliert die Frau dann das Baby durch eine Fehlgeburt, bricht eine Welt zusammen. Betroffene beschreiben den Verlust des Wunschkindes als einen Albtraum. Es gibt Frauen, die nicht nur eine Fehlgeburt, sondern sogar mehrere Fehlgeburten durchleiden und verarbeiten müssen. Britische Forschern haben nun eine mögliche Ursache für Fehlgeburten gefunden: Ein Mangel an Stammzellen in der Gebärmutterschleimhaut. Diese Erkenntnisse lassen die Chancen auf erfolgreiche Therapien steigen.

Was ist eine Fehlgeburt?

Ärzte sprechen von einer Fehlgeburt (Abort), wenn der Körper der Frau die Schwangerschaft vor dem Beginn der 24. Schwangerschaftswoche abbricht und der noch nicht lebensfähige Fötus ausgestoßen wird. Definierte Kennzeichen sind ein Gewicht des Babys von unter 500 Gramm und fehlende Lebenszeichen wie Atmung oder Herzschlag.

Ein traumatisches Erlebnis für die Frau, mit dem circa 15 bis 20 Prozent der Schwangeren fertig werden müssen – teilweise sogar auch mehrfach. Je nach Zeitpunkt der Fehlgeburt unterscheidet man zwischen Frühabort und Spätabort. Bei einem Frühabort wird die Schwangerschaft vor der zwölften Schwangerschaftswoche beendet. Bei nicht wenigen Frauen geschieht das so früh, dass sie noch nicht einmal bemerken, dass sie schwanger waren. Meistens liegt hier eine schwere Chromosomenstörung des Embryos vor. Von einem Spätabort sprechen Ärzte, wenn die Fehlgeburt zwischen der 13. und 24. Schwangerschaftswoche auftritt. Hier sind häufig aufsteigende, genitale Infektionen die Ursache. Als weitere Auslöser für eine Fehlgeburt gelten chronische Erkrankungen der Mutter (z. B. Diabetes mellitus), Synechien – das sind Verwachsungen bzw. Verklebungen von normalerweise nicht verbundenen Geweben, die Entzündungen auslösen – oder Alkoholmissbrauch der Mutter. Obwohl die Ärzte nach den Ursachen für eine Fehlgeburt suchen, konnte bislang nicht immer ein Grund gefunden werden.

Jetzt haben britische Forscher eine weitere Ursache gefunden: Die Mutter könnte unter einem Defekt der Gebärmutterschleimhaut leiden. Dieser Defekt wird ausgelöst durch fehlende Stammzellen.

Auch die Gebärmutterschleimhaut enthält Stammzellen

Gemeinsam mit dem Warwick Systems Biology Centre (Coventry/Großbritannien) untersuchten Wissenschaftler der Universität Warwick im Rahmen einer Studie die Gewebeproben der Gebärmutterschleimhaut von 183 Frauen, die bereits drei oder mehr Fehlgeburten erlitten hatten. Auffällig an den Proben war die Anzahl der vorhandenen Stammzellen. Diese Frauen besaßen weniger Stammzellen in ihrer Gebärmutterschleimhaut als die Kontrollgruppe. Zusätzlich fiel die deutlich reduzierte Teilungsfähigkeit der vorhandenen Stammzellen auf.

Dank der Stammzellen regeneriert sich die Gebärmutterschleimhaut im Normalfall regelmäßig. Fehlen diese Stammzellen, kommt es zum Alterungsprozess. Eine gealterte Gebärmutterschleimhaut ist schlecht auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Das Fehlgeburtsrisiko steigt.

Normalerweise regeneriert sich die Gebärmutterschleimhaut regelmäßig, indem sich die Stammzellen teilen und neues Gewebe entsteht. Gibt es nicht genügend Stammzellen, so kommt es zu einem schnelleren Alterungsprozess der Gebärmutterschleimhaut. Die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft sinken. Der Studienleiter Jan Brosens fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen: „Kultivierte Zellen von Frauen, die drei oder mehr aufeinanderfolgende Fehlgeburten erlitten haben, zeigten, dass die gealterten Zellen in der Gebärmutterschleimhaut nicht in der Lage waren, sich adäquat auf die Schwangerschaft vorzubereiten.“

Neue Hoffnung bei unerfülltem Kinderwunsch: Stammzellentherapie gegen Fehlgeburten

So niederschmetternd die Diagnose für die betroffenen Frauen zunächst auch klingen mag, die aktuellen Erkenntnisse nähren die Hoffnung auf Heilungschancen durch neue Therapien – beispielsweise durch die Stammzellentherapie.

Aus der modernen Medizin sind Stammzellen schon jetzt nicht mehr wegzudenken. Sie sollen helfen, bislang unheilbare Krankheiten zu therapieren, denn sie können geschädigte Zellen reparieren und neues Gewebe bilden. Weltweit forschen Wissenschaftler daran, die Funktionsweise von Stammzellen immer besser zu verstehen, und an konkreten Anwendungstherapien für den Menschen. Beispielsweise vermeldete ein internationales Forscherteam der Universität Bonn im Herbst 2015, dass es ihm gelang, induzierte, pluripotente Stammzellen der Maus in plazentale Stammzellen umzuwandeln. Daraus konnte im Labor erfolgreich Plazenta-Gewebe gezüchtet werden. Die Grundlage, um Störungen der Plazenta-Bildung und so die ungewollte Kinderlosigkeit zu erforschen.

Mithilfe der neu gewonnenen Erkenntnisse kann nun an der Universität Warwick ein Screening-Test entwickelt werden, damit gefährdete Frauen schneller identifiziert werden können. Sie würden dann Medikamente erhalten, die die Anzahl der Stammzellen in der Gebärmutterschleimhaut erhöhen und so das Fehlgeburtsrisiko minimieren. Damit lassen sich zwar nicht alle Fehlgeburten verhindern, doch vielen Frauen könnte das Schicksal einer weiteren Fehlgeburt erspart bleiben, sodass sie endlich nach einer erfolgreichen Schwangerschaft ihr Wunschkind in den Armen halten dürfen.

Warum Stammzellen aus der Nabelschnur viel zu schade zum Wegwerfen sind

Vita 34 setzt sich seit fast 20 Jahren dafür ein, dass jedes Kind die Chance auf ein Stammzelldepot bekommt. Beste Basis dafür sind die jungen und dynamischen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut oder dem Nabelschnurgewebe. Sie lassen sich direkt nach der Geburt völlig schmerzfrei und risikolos gewinnen und dank Kryokonservierung für viele Jahrzehnte aufbewahren. So stehen sie später ein Leben lang zur Verfügung und können von den Medizinern im Bedarfsfall schnell eingesetzt werden. Während das Nabelschnurblut besonders reich an Blutstammzellen, sogenannten hämatopoetischen Stammzellen, ist, enthält das Nabelschnurgewebe viele mesenchymale Stammzellen. Diese können sich später zu Knorpel, Knochen oder in Gewebe wie die Gebärmutterschleimhaut ausdifferenzieren.

Die körpereigenen Stammzellen aus der Nabelschnur haben viele Vorteile: So lösen sie z.B. keinerlei unerwünschte Abstoßungsreaktionen aus, sind frei von Viren beziehungsweise Bakterien und weisen außerdem noch keine genetischen Veränderungen aufgrund von Umwelteinflüssen auf. Da es sich um besonders junge Stammzellen handelt, sind sie zudem sehr anpassungsfähig und teilungsfreudig. All das macht neonatale Stammzellen so interessant für die medizinische Anwendung. Doch leider wird noch immer in rund 95 Prozent der Fälle nach der Entbindung die Nabelschnur samt Nabelschnurblut mit der Nachgeburt im Klinikmüll entsorgt. Dabei sind die Stammzellen aus der Nabelschnur zum Wegwerfen viel zu schade.