Frühgeburt
Wenn das erste Trimester (also die drei ersten Monate der Schwangerschaft) vorbei ist und die Angst vor einer Fehlgeburt nachlässt, fürchten viele werdende Mütter eine Frühgeburt. Sie wird auch von Gynäkolog:innen ernst genommen, da sie in der modernen Geburtshilfe nach wie vor ein sehr präsentes Thema darstellt. Erfahren Sie, was die häufigsten Ursachen für eine Frühgeburt sind und wie man ihr vorbeugen kann.
Frühgeburt – wann tritt sie auf?
Unter Frühgeburt versteht man die Geburt eines Kindes vor Ablauf der 37. Schwangerschaftswoche (bis 36 Wochen + 6 Tage). Trotz der Fortschritte in der Perinatologie und der Geburtshilfe ist die Frühgeburt immer noch ein sehr aktuelles Thema. Aufgrund der großen Bandbreite an Schwangerschaftswochen, in denen eine Frühgeburt auftreten kann, sind auch die Folgen unterschiedlich: Ein Kind, das in der 24. Schwangerschaftswoche zu früh geboren wird, hat andere Startbedingungen als ein Kind in der 36. Woche. Aus diesem Grund sind die frühzeitige Erkennung möglicher Risikofaktoren und entsprechende Präventionsmaßnahmen sehr wichtig. Es gibt jedoch auch hie und da Frauen, bei denen keine dieser Faktoren vorliegen und die dennoch – aus nicht immer bekannten Gründen – eine Frühgeburt erleben.
Frühgeburt – Ursachen
Die unmittelbare Ursache für eine Frühgeburt ist in der Regel die Verkürzung und Öffnung des Gebärmutterhalses sowie das Einsetzen regelmäßiger Kontraktionen der Gebärmutter. Zu den Risikofaktoren für eine Frühgeburt gehören:
- Bluthochdruck bei der Mutter
- Präeklampsie
- Gebärmutterhalsinsuffizienz
- Vorzeitiger Blasensprung
- Diabetes
- Intrauterine Infektionen
Manchmal wird die Entscheidung für eine frühzeitige Entbindung auch ärztlich getroffen – zum Beispiel bei auffälligen CTG-Werten (gemessen mit dem „Wehenschreiber“, der gleichzeitig die Herzfrequenz des Babys und die Wehentätigkeit der Mutter aufzeichnet), einer fetalen Wachstumsverzögerung oder bei Lebensgefahr für die Mutter, etwa durch das HELLP-Syndrom* oder eine Präeklampsie**. Kaiserschnitte vor der 37. Schwangerschaftswoche werden auch bei Mehrlingsschwangerschaften durchgeführt. Dabei wägen die Ärzt:innen immer sorgfältig das Verhältnis zwischen möglichem Nutzen und Risiken ab.
* HELLP-Syndrom : seltene, aber gut behandelbare Komplikation am Ende der Schwangerschaft, bei der sich die Blut- und Leberwerte der Mutter verändern und die durch eine schnelle Entbindung des Babys im Krankenhaus sicher geheilt wird
** Präeklampsie: ist eine vorübergehende Schwangerschaftserkrankung mit erhöhtem Blutdruck, die von Ärzten durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen frühzeitig erkannt und im Krankenhaus sicher überwacht und behandelt werden kann.
Frühgeburt – Prävention
Es gibt Situationen in der Gynäkologie und Geburtshilfe, die lassen sich nicht vorhersagen – die Frühgeburt ist eine davon. Dennoch gibt es Möglichkeiten, ihr vorzubeugen, wenn eine erhöhte Wahrscheinlichkeit vorliegt: Dazu gehören die Gabe von vaginalem Progesteron, ein Pessar oder eine Gebärmutterhalsnaht (Cerclage). Diese Maßnahmen kommen besonders für Frauen infrage, die bereits eine Frühgeburt hatten oder bei denen die Ultraschalluntersuchung im zweiten Trimester einen verkürzten Gebärmutterhals zeigt.
Deuten Symptome auf eine bevorstehende Frühgeburt hin, werden Maßnahmen ergriffen, um das Baby bestmöglich auf die Geburt vorzubereiten. Dazu gehören eine Steroidtherapie zur Unterstützung der Lungenreifung sowie der Einsatz von Magnesiumsulfat zum Schutz des kindlichen Gehirns. Möglich ist auch eine sogenannte Tokolyse (Wehenhemmung), die die Wehen vorübergehend stoppt, damit die Schwangere in ein spezialisiertes Zentrum verlegt oder die genannten Medikamente verabreicht werden können. Bei einem vorzeitigen Blasensprung wird eine Antibiotikatherapie durchgeführt, um einer intrauterinen Infektion vorzubeugen.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Fragen oder Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.




